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23 August 2011 @ 22:00




The art of losing isn't hard to master;

so many things seem filled with the intent

to be lost that their loss is no disaster.

Lose something every day. Accept the fluster

of lost door keys, the hour badly spent.

The art of losing isn't hard to master.

Then practice losing farther, losing faster:

places, and names, and where it was you meant

to travel. None of these will bring disaster.

I lost my mother's watch. And look! my last, or

next-to-last, of three loved houses went.

The art of losing isn't hard to master.

I lost two cities, lovely ones. And, vaster,

some realms I owned, two rivers, a continent.

I miss them, but it wasn't a disaster.

Even losing you (the joking voice, a gesture

I love) I shan't have lied. It's evident

the art of losing's not too hard to master

though it may look like (Write it!) like disaster.




Elizabeth Bishop

 
 
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19 Juli 2011 @ 16:20

"Im 1300-Seiten-Wälzer „Das Buch der Geheimnisse“ sagt Osho: "Die Prediger aller Religionen haben der ganzen Welt eingeredet, dass „ihr allesamt Sünder seid“. Das ist gut für sie, denn wenn ihr nicht davon überzeugt seid, kann ihr Geschäft nicht weitergehen. Ihr müsst Sünder sein, nur dann können die Kirchen, Tempel und Moscheen weiterflorieren. Eure Sündhaftigkeit ist für sie „Hochsaison“ Eure Schuldgefühle sind das Fundament der allerhöchsten Kirchen. Je schuldiger ihr seid, desto höher schiessen die Kirchtürme und Minarette in den Himmel. Sie sind auf eure Schuld gebaut, auf eure Sünden, auf eure Minderwertigkeitskomplexe. Und so haben sie dazu beigetragen, eine minderwertige Menschheit zu schaffen".(Zitatende)

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Religions-Bashing ist zur Zeit hoch im Kurs, und ob zu Recht oder nicht, ist nicht Gegenstand meiner Betrachtungen. Jedoch kennen wir die gleichen Mechanismen auch im Alltag. Schon von ganz klein an, hören Kinder von früh bis spät, was sie doch für ungezogene Bengels sind. Alles was Spass macht, ist verboten. Herumtollen, schmutzig werden, schreien, auf Bäume klettern, Mülleimer umschmeissen, mit dem Gartenschlauch den Nachbarn abspritzen, der Mutter eine tote Maus aufs Kissen legen usw. Was reden wir unseren Kindern ein schlechtes Gewissen ein, nur dass wir unsere Ruhe haben. Nur damit die Kinder so einheitsgrau wie wir selber werden.

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Kinder-Bashing ist zur Zeit hoch im Kurs, und ob zu Recht oder nicht, ist nicht Gegenstand meiner Betrachtungen. Jedoch wirken die gleichen Mechanismen auch noch später nach. Während der Ausbildung werden junge Menschen in enge Korsette gezwängt. Ziel der gesellschaftlich verordneten Beschränkung und die Beschränkung der Sichtweise der jungen Menschen auf die Bedürfnisse von Wirtschaft oder Staat. Egal ob es sich um Kulturwirtschaft, Staatswirtschaft oder Geldwirtschaft handelt, der junge Mensch muss sich den Institutionen unterwerfen. Er wird zum Sklaven des industriellen Geldes und/oder staatlicher Macht. Zugegeben, das Design der Fussfesseln der Sklaven sind oftmals von Gucci, Prada oder Louis Vuitton.

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Staats-Bashing ist zur Zeit hoch im Kurs, und ob zu Recht oder nicht, ist nicht Gegenstand meiner Betrachtungen. Jedoch wirken die gleichen Mechanismen bis ins Jetzt. Wir sind dermassen in die Netze der materiellen Verlockungen verstrickt, dass wir die Enge der Stricke, die uns festhalten als Nestwärme empfinden. Wir werden von Anderen so schnell über den Tisch gezogen, dass wir die Reibungswärme mit menschlicher Nächstenliebe verwechseln. Wir verlieren uns in einem Labyrinth aus Sorge, Vorsorge, Nachsorge und erkennen vor lauter Plastik, Neon, Plasma und 3D die Wirklichkeit nicht mehr. Wir sind nur noch interessant, wenn wir als Konsumenten wahrgenommen werden können. Sonst sind wir für die Gesellschaft, Staat und Wirtschaft nur Ballast, den es irgendwie zu entsorgen gilt.

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Gesellschafts-Bashing ist zur Zeit hoch im Kurs, und ob zu Recht oder nicht, ist nicht Gegenstand meiner Betrachtungen. Jedoch wirken die gleichen Mechanismen über den Tod hinaus. Wir lassen beim Tod nur den physischen Körper zurück. Jedoch nehmen wir all den geistlichen, emotionalen und mentalen Müll mit ins Jenseits und müssen dort in unendlich langwierigen Prozessen, zum Teil extrem schmerzvoll erkennen, dass wir unser ganzes Leben einer Illusion aufgesessen sind. Der Illusion, dass wir Sünder, Sklaven oder Soldaten der wirtschaftlichen und staatlichen Strukturen waren. Kanonenfutter für Manipulationskanonen von der Geburt bis in den Tod. Wir erkennen, dass wir Opfer unserer eigenen Denkstrukturen und Glaubensmuster waren. Wir erkennen, dass wir unwissend waren."




Bertrand Cézoé

 
 
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14 Juli 2011 @ 13:15

"... Leider muß ich nun gestehen, daß Ihr freundlicher Brief mich, wie fast alle Ihre Äußerungen, wieder lediglich zur Kritik und direktem Widerspruch reizt. Daß die Natur grausam sei, habe ich auch schon sagen hören, doch ist gerade das doch wohl eine typisch anthropozentrische Auffassung, und daß die Natur irgendwelche Zwecke habe, glaube ich auch nicht. Sie existiert, sie ist da und ist tätig, und wir gehören dazu und sind immer dann ganz sicher auf dem Holzweg, wenn wir uns über "die Natur" Gedanken machen und sie als etwas Fremdes und Feindliches empfinden. [...]

Sie haben sich seit Monaten mit Inbrunst schönes Wetter für Ihre Sommerferien gewünscht, und nun, wo dieser Wunsch so glänzend in Erfüllung gegangen ist, wissen Sie nur zu klagen. Wenn Sie ausgehen, sehen Sie nur verbrannte Wiesen und eingehende Obstbäume oder Kartoffelstauden. Sehen Sie nicht auch Berge und Gletscher, Bachtäler und Felswände? Und sehen Sie die nicht klarer und leuchtender und farbiger, als irgendjemand sie seit Jahren gesehen hat? Aber davon sagen Sie nichts. Und Sie treffen immer Leute an, die zu klagen haben und unzufrieden sind! Mag der Bauer mit seinen Pflaumen und seinen Futterwiesen recht haben! Aber sehen Sie nicht auch Kranke, die der Sonne herzlich froh sind, Kinder, die sich der glänzenden Ferienzeit mit Jubel freuen, Käfer und Schmetterlinge, Eidechsen und andere Sonnenfreunde, die dies Jahr glänzender und schöner sind und ihres kurzen Lebens froher als je?

Ich muß sagen, mir macht dieser warme Sommer eine mächtige Freude, obwohl ich nicht in den Bergen sitze... und jeden lieben Tag ein paar Stunden im Garten Wasser tragen muß, was bei der Wärme nicht leicht fällt. Dafür hat man doch einmal warm und hell, wie es zum Sommer gehört! Ich gestehe, mir ist schon ein wenig bang auf den Herbst, und da ich nun einmal so schön durchgesonnt bin und mich an Licht und Wärme gewöhnt und verwöhnt habe, fällt mir der Abschied davon schon im voraus so schwer, daß ich beschlossen habe, mich darum zu drücken und im September durchs Rote Meer nach Ceylon und Sumatra zu fahren.

Sie werden nun wieder finden, das sei lauter Widerspruchsgeist bei mir. Aber es ist doch nicht so, wenn ich schon eine gewisse Freude daran habe, Sie immer und immer wieder auf der Seite der Opposition zu sehen und so in einer Art von Antipodenverhältnis zu Ihnen zu stehen. Sehen Sie, Sie stehen immer da, wo getadelt und geklagt wird. Sie sehen nicht den strahlenden Gletscher, sondern den verdorrenden Kartoffelacker, und Sie geben nicht den frohen Kindern, Touristen und Schmetterlingen recht, sondern dem wehklagenden Bauer... Und meine Meinung vom Leben ist nun einmal die, daß es besser ist, da zu stehen, wo die Kinder und Schmetterlinge stehen, daß es besser ist, das Leben und die Natur überall im Recht zu sehen und überall zu billigen, auch wo es mir einmal über die Finger geht. Ich habe auch Nerven, und ich seufze manche Nacht gewaltig, wenn Hitze und Schnaken mich nicht zu Schlaf kommen lassen; aber ich suche nicht, aus meiner Schwäche ein System zu machen und aus meinen Beschwerden Stoff zu Anklagen gegen die Natur. Ich tue das nicht aus Moral oder aus irgendeiner Theorie, sondern weil das Gegenteil keinen Wert hat, weil wir die Natur doch nirgends beeinflussen können. Das einzige, was der Mensch vielleicht ein wenig beeinflussen und regieren kann, ist sein Wille, obwohl auch das ja bezweifelt werden kann. Aber jedenfalls suche ich mein bißchen etwaiger Freiheit dazu anzuwenden, den Willen der Natur zu meinem zu machen und mir einzubilden, es geschehe mit meinem Willen, wenn es schneit oder heiß ist. Ich kämpfe nicht gegen das, was über meinen Kopf hinweg die Natur tut und läßt, sondern gegen das, was in mir selber dieser ewigen Natur widersprechen und mir dadurch das Leben erschweren will. Und das ist der Punkt, auf dem wir auch in Schul- und Erziehungsfragen nie einig werden können. Ich gestehe dem Menschen jedes erdenkliche Recht wider die Natur zu, er darf sie benützen, überlisten, auf seine Mühlen lenken, aber ich finde es schade und törischt, wenn er sein bißchen Geist und Freiheit dazu benützt, sie anzuklagen oder anzuzweifeln oder sich sonst irgendwie theoretisch zu ihr zu stellen. Ich habe vor pessimistischen Philosophien, wenn sie schön und großzügig sind, denselben Respekt wie vor andern, als vor schönen und imponierenden Leistungen des Geistes, aber ich habe für praktischen Pessimismus gar keine Achtung. Sie leiden an diesem Pessimismus, und Sie sind darum nie zufrieden, weil Ihr schöner großer Beruf eigentlich als Voraussetzung gerade das Gegenteil brauchte.

Von Sumatra aus schicke ich Ihnen wieder einmal einen Gruß. Ich weiß nicht, wie es mir dort gehen wird; aber ich habe den Willen, auch dort möglichst zu allem ja zu sagen und möglichst überall zu bleiben Ihr ergebener, doch konsequenter Gegner."



Hermann Hesse, 1911
aus "Sommerbriefe"

 
 
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13 April 2011 @ 18:29




Sie nehmen an, der Dichter sei dadurch, daß er die Gabe und Übung im Formulieren habe, von seinen Erlebnissen und Lasten "befreit". Etwas dergleichen gibt es ja, indem einfach im Aussprechen, im Bekennen eine gewisse Entlastung liegen kann, diese bedarf der künstlerischen Mittel aber nicht, und die einfachste Beichte oder Mitteilung an einen vertrauten Menschen tut denselben Dienst wie das beste Gedicht.

Im Gegenteil, der Künstler hebt durch sein Aussprechen das Erlebnis zwar teilweise (nie ganz) ins Bewußtsein, aber meistens dient es ihm nur dazu, das Erlebnis zu intensivieren, nicht es zu lösen.




Hermann Hesse, 09. März 1946

 
 
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01 April 2011 @ 14:44

"Mir war nach einem langen, sorgenvollen Winter auf dieser ersten Fußreise des zögernd anhebenden Frühlings auch mehr nachdenklich als lustig zumute. Wenn die Märzstürme vom Gebirg her fahren, und im Moos und Waldgesträuch das erste, braune Knospen beginnt, treibt es mich jedes Jahr mit stummer Nötigung hinaus, zu laufen und zu atmen. Aber es gibt da kein Rasten auf warmen Steinen und trockenen Wiesen zwischen Wandern und Weiterwandern; man wird müde und zugleich wächst die Sehnsucht, nachwehende Winterängste bedrängen das Herz, und es kann keinen jungen Trieb am Weidenbusch und keine erste Bachblume sehen, ohne daß es zweifelnd fragt: Wird nun auch dir ein Frühling kommen? Und das Leben der Erde und der Pflanzen, das unsichtbare Quellen unter der Oberfläche erfüllt die Luft mit Ahnung von Kampf und gärender Gewalt. Es ist nicht, wie die Frühlingsdichter sagen, ein Lächeln und süßes Augenaufschlagen aus Wonneträumen, was jetzt die Ackerscholle und den Moosboden und die Waldränder bewegt und lebendig macht, sondern ein verzweifeltes Gebären unter stummen Schmerzen. Und es redet so deutlich zu uns, daß auch wir nur in Schmerzen und nur nach bitteren Werdenöten uns im Innern erneuern und junge Sprossen treiben können."



Hermann Hesse, 1906